Aber er ist unschuldig – Teil 2
Ein Jahr zuvor
Anwalt und Strafverteidiger Lars Wendel hatte sich an diesem Morgen mühsam in sein Büro geschleppt, denn er fühlte sich gar nicht gut. Er hatte Kopfschmerzen und ihm war schlecht. Er wäre lieber im Bett geblieben, als sich wie jeden Tag in seine Kanzlei zu bemühen, doch er war Einzelanwalt und vom Nichtstun wurde nichts, also damit kam kein Geld rein.
Er würgte sich ein Glas mit Wasser rein, nur um seinen Durst zu bekämpfen und den schlechten Geschmack im Mund runter zu spülen. Das letzte Bier, das wievielte war es eigentlich ?, und der letzte Schnaps müssen schlecht gewesen sein.
In Anbetracht seines angegriffenen Zustandes wollte Lars Wendel daher versuchen, ein paar einfache Sachen zu erledigen, wie z. B. einen simplen Antrag auf Fristverlängerung formulieren, denn zu großen Gehirnleistungen war er heute sowieso nicht in der Lage. Er hoffte nur, dass er die nächsten Stunden in Ruhe und ohne Störung hinter sich kriegen könnte. Dann würde es ihm sicherlich wieder besser gehen , Mandanten hatte er heute jedenfalls nicht zu erwarten oder keine bestellt.
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Nach zwei Stunden , er war gerade bei einem Aktenstudium etwas eingenickt, hörte Lars Wendel ein entferntes Läuten, konnte das dem komischen Traum, den er gerade hatte, aber nicht zuordnen. Völlig vertrieft wachte er auf und stellte fest, dass das Läuten ganz in der Nähe war, nämlich an seiner Bürotür. “ Verfluchter Mist „, murmelte er vor sich hin. An jedem anderen Tag ist ein neuer Mandant sehr willkommen, aber ausgerechnet heute mit seinem dicken Schädel passt ihm das überhaupt nicht.
Es nutzte alles nichts, er musste nachsehen, wer da klingelt.
Lars öffnete seine Bürotür und erblickte einen zerknirscht dreinschauenden Mann, Anfang bis Mitte 40, der einen verknitterten hellgrauen und verschmutzten Anzug trug , seine braunen Schuhe waren schlammverschmiert . Ehe der Anwalt etwas fragen konnte, sagte der Mann : “ Ich bin Guido Scharschmidt, die Polizei sucht mich, ich soll meinen Chef ermordet haben, das stimmt aber nicht. “
Lars Wendel wurde trotz seines Brummschädels bei dem Wort “ ermordet “ sofort hellhörig. Einen Mordfall hat man ja nicht alle Tage.
“ Kommen Sie erst mal rein ,“ sagte er zu Scharschmidt. Der betrat dankend das Anwaltsbüro, sich scheu umblickend und nahm in dem Besuchersessel vor dem Schreibtisch des Anwaltes Platz.
“ Würden Sie meinen Fall übernehmen ?“ fragte Scharschmidt. Es gibt selten triftige Gründe dafür, ein Mandat abzulehnen, aber vielleicht schildern Sie mir erstmal, worum es geht, sagte Lars Wendel.
Und Guido Scharschmidt fing an, die Sache mit seinem Chef zu schildern.
Fortsetzung folgt
Teil 1 findest du hier